Manfrotto Lastolite

Getriebeneiger 410

Nicht nur für kleine Dinge ganz groß!

Erfahrungsbericht Manfrotto Makroschlitten MA 454

Der Makroschlitten MA 454

Nah- und Makrofotografie

Wie der Name schon vermuten läßt, handelt es sich beim MA 454 um ein Zubehör, das speziell für das Fotografieren kleiner Dinge entwickelt wurde. Da es sich hierbei weniger um ein Kamera- denn um ein Stativzubehör handelt scheint es logisch, das sich Manfrotto der Problematik "Makrofotografie" annimmt.
Warum könnte man einen Makroschlitten benötigen? Normalerweise stellen wir unser Motiv mit dem Schärfeneinstellring des Objektivs scharf. Möchten wir aber unser Motiv so groß wie möglich abbilden, dann stellen wir unser Objektiv auf die kürzeste Einstellentfernung ein und nähern uns unserem Motiv mit der Kamera, bis dieses im Sucher scharf erscheint. (Wer das noch nicht ausprobiert hat sollte das schnellstens einmal probieren! Verwenden Sie hierzu ein Teleobjektiv ab 200mm! Sie werden staunen, wie gut diese Objektive für die Nahfotografie geeignet sind!)
Ist die Kamera auf einem Stativ montiert, dann wird diese Art des Scharfstellen sehr schnell sehr mühsam. Funktioniert das auf einem ebenen Untergrund vielleicht noch halbwegs, wird das Scharfstellen durch Standortänderung im unwegsamen Gelände zur echten Geduldsprobe. Hier ein Bein etwas einschieben, dort die Kamera erneut gerade ausrichten, den Bildausschnitt erneut festlegen, um dann festzustellen, das die Schärfe nicht dort liegt wo sie sein soll. Da die Kamera im Nahbereich jeweils nur wenige Zentimeter vor oder zurück bewegt werden muss bietet es sich an, statt des ganzen Stativs nur die Kamera auf dem Neiger zu verschieben. Und das geschieht sehr bequem mit dem Makroschlitten.

454 im Einsatz
Makroschlitten 454 im Einsatz

Der Schlitten im Einsatz

Um es gleich vorweg zu nehmen: Beim MA 454 liegen Licht und Schatten sehr nah beieinander! So stabil, leichtgängig, bequem und komfortabel das Arbeiten mit dem Makroschlitten 454 auch ist, die Montage ist (ohne das unten beschriebene "tunen") mühselig. Woran liegt das? Der Schlitten wird mit einem Stativgewinde auf der Unterseite und einer Stativschraube auf der Oberseite ausgeliefert. Möchte ich mit dem Schlitten arbeiten bedeutet das für mich

  1. Abschrauben der Schnellwechselplatte am Kameragehäuse
  2. Anschrauben des Schlittens an das Kameragehäuse
  3. Anschrauben der Schnellwechselplatte an den Schlitten
  4. Aufsetzen des Schlittens auf den Neiger des Stativs.

Nach dem Fotografieren muss ich die Punkte 1 bis 4 natürlich wieder in umgekehrter Reihenfolge durchführen um meine Kamera wieder mit der Schnellwechselplatte auf dem Stativ montieren zu können. Das nervt so gewaltig, dass der Schlitten in der Fototasche ein Schattendasein fristet!
Ist der Schlitten montiert, fallen die Vorteile sofort ins Auge: Der Schlitten ist sehr massiv gebaut, beinahe "aus einem Stück Stahl gefräst". Der bewegliche Teil des Schlittens läuft sauber und spielfrei auf der Basis. Es gibt zwei unterschiedliche Verstellmöglichkeiten, die Schnellverstellung (fürs Grobe) und die Feineinstellung. Der abgewinkelte Messingknopf an der Seite entriegelt die Feineinstellung und der Schlitten lässt sich völlig frei auf der Basis hin- und herschieben. Ein Anschlag verhindert, das der Schlitten bei entsprechender Neigung aus der Basis herausrutschen kann und die Kamera Bodenkontakt aufnimmt. An den Enden des Schlittens, also sowohl hinten als auch vorn, befindet sich eine Rändelschraube für die Feineinstellung. Feineinstellung ist hier wortwörtlich zu nehmen, denn eine Umdrehung der Schraube verschiebt den Schlitten nur um etwa zwei Millimeter. Durch feinfühliges Drehen kann die Schärfenebene im Bild dadurch äußert exakt gelegt werden! Um den Schlitten vor der eigentlichen Aufnahme zu arretieren befindet sich seitlich vor dem Knopf für die Schnellverstellung eine Befestigungsschraube. Sie klemmt den Schlitten in der Basis fest.

Nodalpunkt-Adapter für die Panorama-Fotografie

Der Einsatz des 454 beschränkt sich jedoch nicht auf die Abbildung kleiner und kleinster Dinge. Mit ein wenig Vorarbeit ist der 454 auch ein vollwertiger Nodalpunktadapter für die Landschaftsaufnahme von Panoramen. Hierfür muss für jedes Objektiv individuell einmalig der Nodalpunkt "ausgemessen" werden. Die seitlich am Schlitten eingefräste Millimeter-Skala hilft hier, reproduzierbare Ergebnisse zu bekommen. Jedem Objektiv wird dann ein Skalenwert zugewiesen und ich muss diesen Wert nur beim nächsten Einsatz als Panoramaadapter vor dem Beginn der ersten Aufnahme am Schlitten einstellen. Durch das Drehen der Kamera im Nodalpunkt des jeweiligen Objektivs bekomme ich Einzelbilder, die sich später am Computer exakt zusammensetzen lassen.
Wie der Nodalpunkt ermittelt wird beschreibe ich auf der Technikseite "Nodalpunkt ermitteln" (Seite noch in Vorbereitung!).

Fazit: Bedingt durch die massive Konstruktion und die exakte Passung der einzelnen Teile des Schlittens macht es großen Spass damit zu arbeiten. Die Einstellung erfolgt spielfrei und sehr exakt. Bereits nach wenigen Bildern möchte man nie wieder ohne im Nahbereich unterwegs sein. Die etwa 100,- €, die der Schlitten (ohne Tuning) kostet sind in jedem Fall gut angelegt. Leider ist die Montage ohne Schnellspannvorrichtungen mühsam und langwierig. Daher empfehle ich jedem das Tuning mittels Schnellspann-Adapter.

Tuning

Ich habe meinen Makroschlitten durch wenige Handgriffe "schnellwechseltauglich" gemacht. Unter dem Schlitten befindet sich nun ständig eine eigens dafür erworbene Schnellwechseplatte PL200, die immer montiert bleibt. Auf der Oberseite habe ich einen Schnellspann-Adapter 232 angebaut. Nun ist es möglich, die Kamera mit einem Handgriff auf dem Schlitten zu montieren und beide zusammen auf das Stativ zu setzen.

Schnellspannadapter 232
Der Schnellspannadapter 232