Manfrotto Lastolite

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Spiegelreflexkameras das einzig Wahre?

.. oder stirbt die Spiegelreflextechnik aus?

Bisher habe ich Teilnehmern an meinen Fotoworkshops empfohlen, eine Spiegelreflexkamera zu verwenden. Ich habe in den Veranstaltungstexten darauf hingewiesen, dass sich die Kurse an Besitzer von digitalen Speigelreflexkameras richten, bzw. dass die Umsetzung des Gezeigten am ehesten mit einer solchen Systemkamera gelingt. Wo liegen nun die Vorteile einer digitalen Spiegelreflexkamera gegenüber einer Kompakt- oder Bridgekamera? Um dies zu beantworten zäume ich das Pferd einmal von hinten auf und Frage, was die Qualität meiner Fotografien entscheidend steigern kann.

Foto Kompaktkamera und dSLR

Da haben wir zuerst die Möglichkeit, das Motiv "freizustellen", also in einer scharfen Ebene vor einem unscharfen Hintergrund abzubilden. Das gelingt mir mit einer leichten bis mittleren Telebrennweite (85 bis 200mm) und einer durchschnittlichen Anfangsöffnung (1:2,8 bis 1:4), bezogen auf die Kleinbildformat 136. Mit einer Weitwinkelbrennweite (24mm) kann ich kein Motiv vor unscharfem Hintergrund freistellen. Und genau hier liegt das Problem. Wenn mein Aufnahmechip kleiner als das Kleinbildformat ist (APS, Fourthird, ...) dann benötige ich für den gleichen Bildausschnitt eine immer kürzere Brennweite. Man bezeichnet diese Veränderung des Verhältnisses von Brennweite und Chipgröße als Crop-Faktor. Für den identischen Bildausschnitt benötige ich an einer Kamera mit APS-Chip eine um etwa ein Drittel kürzere Brennweite. Bei einer Kompaktkamera würde die Brennweite noch kürzer werden. Je kürzer die Brennweite, desto größer die Schärfentiefe. Da Kompaktkameras meist mit Brennweiten von wenigen Millimetern bis einigen Zentimetern ausgestattet sind, kann man mit diesen Objektiven keine Motive freistellen. Eine wesentliche Möglichkeit der kreativen Bildgestaltung geht mir bei der Verwendung einer Kompaktkamera verloren.

Der nächste Vorteil von Systemkameras liegt in der Verwendung einer großen Palette unterschiedlicher Objektivbrennweiten, sowohl als Zoomobjetive, wie auch als Festbrennweiten. Je größer der Brennweitenbereich den ein Zoomobjektiv abdecken muss, desto schlechter die Abbildungsleistung. Eine Binsenweisheit, denn jedes Objektiv kann immer nur für eine bestimmte Brennweite optimal gerechnet werden. Alle anderen Brennweiten bilden einen mehr oder weniger guten Kompromiss. Das wird um so augenfälliger, je größer der Zoombereich ist. Ein Zweifach-Zoom (Anfangsbrennweite x 2 = Endbrennweite, z.B. 24-50mm) zeichnet deutlich besser als ein Zehnfach-Zoom (24-250mm). Optimale Ergebnisse erhalte ich mit einem Objetiv mit nur einer einzigen Brennweite (Festbrennweite). Hersteller von Kompaktkameras sind bestrebt, die Kameras mit einem möglichst großen Brennweitenbereich auszustatten (z.B. 18-300mm), auf Kosten der Abbildungsleistung. Der Fotograf kann dieses Objektiv nicht auswechseln, da es fest in das Gehäuse integriert ist.

Entscheidend für die Bildgestaltung ist die bewußte Verwendung von bestimmten Blendenöffnungen und Belichtungszeiten. Bei Spiegelreflexkameras verändert man diese Werte bequem über jeweils ein Einstellrad, welches mit dem rechten Zeigefinger/rechten Daumen bedient wird. Jede Spiegelreflexkamera besitzt mindesten diese beiden Einstellräder und den Auslöser, zusätzlich meist noch ein Einstellrad für die verschiedenen Belichtungsprogrammautomatiken (P, A (Av), S (Tv)). Bei Kompaktkameras sucht man diese Rädchen meist vergebens. Die Kameras sind dafür konstruiert, bei variabler Automatik (P) eine günstige Belichtung zu erreichen. Der direkte Einfluss des Fotografen auf die Belichtungszeit und die Einstellung der Blende sind nur umständlich über die Systemmenüs zu erreichen. Für ein kreatives und flüssiges Arbeiten sind jedoch schnell und bequem erreichbare Einstellrädchen Voraussetzung.

Des weiteren gestattet die Verwendung von Systemzubehör bei Spiegelreflexkameras, das Einsatzgebiet wesentlich zu erweitern. Zuerst sei hier die Blitztechnik genannt. Zwar sind die meisten Spiegelreflexkameras ebenfalls mit einem eingebauten Blitz ausgerüstet, vernünftige Ausleuchtung gelingt jedoch erst mit Zubehör-Blitzen mit Leitzahlen von 35 oder größer. Nur dann steht ausreichend Lichtleistung zur Verfügung um Motive über eine größere Distanz (>15m) oder Innenräume entsprechend auszuleuchten. Eingebaute Blitzgeräte, wie sie ebenfalls in Kompaktkameras verwendet werden, können auf Grund ihrer Leistung bestenfalls ein Motiv in 2-3m Entfernung frontal anleuchten.
Weiterhin sei die Verwendung von Filtern (Pol-Filter, Grauverlauffilter, Graufilter), eines Fernauslösers oder die Verwendung eines Stativs (fehlendes Stativgewinde) genannt.

Fazit: Kreative Fotografie funktioniert mit einer System-Spiegelreflexkamera am besten. Viele Einstellungen kann man auch an einer Kompaktkamera über das Menü vornehmen, manche technischen Voraussetzungen (Brennweiten, Chipgröße, ...) stehen jedoch der "ernsthaften" Fotografie im Wege.


Vor etwa zwei Jahren wäre die Betrachtung zum optimalen fotografischen Gerät hier abgeschlossen. Seit kurzer Zeit drängen jedoch Systemkameras auf den Markt, die

Eine neue fotografische Ära bricht heran. Kann eine sogenannte EVIL-Kamera (electronic viewfinder interchangeable lens, elektronischer Sucher und Wechselobjektive) gegenüber einer konventionellen Spiegelreflexkamera bestehen? Hier geht es weiter ...