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Rügen im Winter

Erste Erkundungen in Deutschlands kleinstem Nationalpark

Das neue Jahr begann für mich mit einem Abstecher zu Deutschlands größter Insel Rügen. Angespornt durch die 'Sammelleidenschaft', jeden deutschen Nationalpark wenigstens einmal besucht zu haben, stand der NP Jasmund seit meinem Wochenendurlaub im NP Vorpommersche Boddenlandschaft ganz oben auf meiner Liste. Da auch die Deutsche Bahn mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen ist, war die Zugverbindung schnell gefunden. Dank des großzügigen Ausbau des Schienennetzes in Berlin stehen jetzt auch im Norden und Süden Haltepunkte der Reghionalbahn zur Verfügung, was die Reisezeit erheblich verkürzt. Das 'Ostsee-Ticket' war ebenso schnell gebucht und ausgedruckt. Um 5:26 Uhr bestieg ich also meinen RE5 nach Stralsund, stieg dort um in einen weiteren Regionalexpress, und stand um 10:00 Uhr am Bahnhof in Sassnitz. Nach einem kurzen Fussmarsch von 30 Minuten durch Sassnitz betrat ich um 10:30 Uhr den Nationalpark Jasmund an der Strandseite.
Für den Ausflug hatte ich zwei Bilder im Kopf: Bild 1 zeigt den Strand mit einem markanten Vordergrund (Findling, Wurzel, Baumstamm etc.) und im Hintergrund die Kreidefelsen. Aufgenommen mit einem Weitwinkelobjektiv, den Vordergrund durch große Annäherung stark betont, stark abgeblendet um Tiefenschärfe zu bekommen. Bild 2 zeigt die Abbruchkante des Buchenwalds über den Kreidefelsen. Hierfür würde ich warscheinlich eine lange Brennweite benötigen, da ich keine perspektivische Verzerrung wollte, sondern die Abbruchkante im oberen Drittel des Bildes 'direkt auf Augenhöhe'. Und das ging wohl nur vom Nachbarfelsen aus...
Zum Licht wäre zu sagen, das in der geplanten Reisewoche (1. Januarwoche) eigentlich durchgängig bedecktes Wetter und Regen vorhergesagt wurden. Ein einzelner Lichtblick sollte der Reisetag sein, an dem Vormittags die Wolkendecke aufreißen sollte. Ich könnte also froh sein, wenn das Licht überhaupt für Fotos taugt. An 'Lichtstimmung planen' war also nicht zu denken.
Der Landkarte konnte ich entnehmen, dass, falls die Sonne sich Vormittags zeigen sollte, ich mit Streiflicht von schräg hinter mir zu rechnen hätte... Soweit zur Theorie. Am Strand angekommen stellte ich erfreut fest, das die Wolkendecke aufriss und die Sonne. Schnell das Stativ aufgebaut und die Kamera ausgerichtet. Die Belichtung gestaltete sich erwartungsgemäß als schwierig, da der Kontrast der fast weißen Kreidefelsen zu den dunklen, unbelaubten Bäumen zu groß war (Gakower Ufer/Hengst). Schon im Histogramm war zu erkennen, das es eine Belichtung mit voller Zeichnung in Lichter und Schatten nicht geben wird. Es standen nun zwei Möglichkeiten offen: Der einfache Weg war über eine mittenbetonte Belichtung und dem speichern im RAW-Format mit anschließender Lichter-/Schatten-Ausarbeitung. Hierzu mußte das Bild eher zu knapp belichtet werden, um die Zeichnung in den hellen und weißen Bereichen zu erhalten. Die zu dunklen Schatten lassen sich dann bei der Bildbearbeitung aufhellen. Das geht auf Grund des digitalen Ursprungs der Datei eher, als das Bild auf die Schatten zu belichten und dann die überbelichteten, ausgefressenen Lichter auszuentwickeln (Ich werde dieser Problematik noch eine Extraseite widmen, wo ich ausführlich auf das Problem der richtigen Belichtung eingehe). Der Königsweg war und ist natürlich DRI, also das digitale Übereinanderkopieren unterschiedlich belichteter Bilder. Je nach dem, welches Programm man verwendet, richtet sich die Anzahl der Aufnahmen, die später zusammengeführt werden. Da ich die DRI-Bilder immer als zu kühl in der Atmosphäre empfinde, und es eigentlich keine reale Abbildung der Natur darstellt, bin ich bisher mit Fred Mirandas DRI-PlugIn für Photoshop ausgekommen. Das PlugIn erwartet eine über- und eine unterbelichtete Ausnahme. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass ich eine zu dunkele und eine zu helle Aufnahme mache, sondern ich belichte einmal auf die Schatten (Spotmessung auf die Bäume) und einmal auf die Kreide. So erhalte ich die beiden Aufnahmen, die dann den vollen Kontrastumfang beinhalten. Photoshop CS2 hat eine DRI-Funktion bereits mit an Bord, es gibt aber auch ausgezeichnete Programme speziell für diese Art der Nachbearbeitung. Für ein Foto mußte ich also einmal mittels Graukarte eine normal belichtete Aufnahme erstellen, und je eine Aufnahme mit Belichtung auf die Schatten und die Lichter. Für ein Foto benötigte ich also drei Belichtungen. Auf einem Diafilm wäre somit nur Platz für 12 Aufnahmen. Ein deutlicher Vorteil der digitalen gegenüber der analogen Fotografie...
Zurück zur Tour: Nachdem ich die ersten Bilder im Kasten hatte, erklomm ich eine der Treppen, die vom Strand zum Hochwaldweg führte. Durch den Wald ging ich dann weiter Richtung Königsstuhl. Immer wieder führte der Wanderweg direkt an die Abbruchkante, zu so markanten Punkten wie den Wissower Klinken, dem Blick auf den Leuchtturm Kollicker Ort oder der Viktoriasicht. Langsam bezog sich der Himmel wieder, sodaß nur noch flaue Herbststimmungen 'grau in grau' zu erwarten waren. Dafür war die Belichtung für Aufnahmen im Wald nun ideal (Kieler Bach).
Nach drei Stunden strammem Marsches erreichte ich das Nationalparkhaus Königsstuhl. Einsetzender Nieselregen ließ die Stimmung endgültig kippen, sodaß der Fokus nunmehr auf den Besuch des Nationalparkhauses und die Vorbereitung weiterer Besuche wechselte. Vorweg eine Endtäuschung: Um den Ausblick vom Königsstuhl zu genießen und das Nationalparkhaus zu betreten, mußten 6 EUR Eintritt bezahlt werden. Dies ist ein Trend, den ich bisher nur in den Neuen Bundesländern bemerken konnte. Egal, ob Müritz, Jasmund, Unteres Odertal, überall meint man, die Ausstellung sein 'wertvoller' als z.B. die des Hans-Eisermann-Hauses im NP Bayerischer Wald. Um den Königsstuhl zu betreten muß ich 6 EUR bezahlen, das Wildgehege im Bayerischen Wald ist hingegen kostenlos.
Die Rückfahrt vom Königsstuhl mit dem Bus 20 bis zum Bahnhof funktionierte tadellos und wie geplant stand ich 15 Minuten später am Bahnhof Sassnitz. Nach weiteren 4,5 Stunden Fahrt war ich mit 40 Bildern auf der Chipkarte am späten Abend wieder zu Hause. Den nächsten Besuch im Frühjahr kann ich jetzt schwerpunktmäßig besser einteilen und an die Gegebenheiten anpassen. Bei Sonnenschein die Kreidefelsen, bei bedecktem Himmel die Frühjahrsblüher Leberblümchen und Zahnwurz, bei Nebel/Regen die eindrucksvollen Buchenbestände. Der Nationalpark war selbst bei einem so kurzen Besuch für mich so eindrucksvoll, das ich schon geführte Fototouren plane, doch davon später mehr...

Hier erst einmal meine ersten Eindrücke vom Jasmund...