Manfrotto Lastolite

 

Warum sehen die Bilder von Profis so viel besser aus als meine eigenen?

Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Am Anfang denkt man 'klar, die haben eine viel bessere Ausrüstung als ich'. Das ist zum Teil wahr, obwohl es sehr vom Motiv abhängt, wie die Ausrüstung beschaffen sein sollte. Auch Profis haben nie die optimale Ausrüstung bei sich. Zum einen setzen die Hersteller hier durch ihr Angebot Grenzen. Wenn die längste Brennweite beim Hersteller XY 600mm ist, dann gibt es für alles Geld der Welt keine längere. Die fehlenden cm Brennweite muss ich also 'austricksen'. Entweder lässt das Motiv es zu, das ich ein paar Schritte nach vorn gehe. Oder ich muss mich in einem Tarnzelt verstecken. Alternativ kann ich auch eine Ausschnittvergrösserung am PC vornehmen. Hier leidet jedoch die Bildqualität, wenn das Kameragehäuse nicht über die notwendigen Reserven in Form zusätzlicher Bildchip-Pixel verfügt. Eine 50%ig Ausschnittvergrösserung einer 12-Megapixel-Kamera ergibt immer noch ausreichende 6 Megapixel. Bei einem 6-Megapixel-Chip wirds da schon schwierig... Nicht vergessen solte man, das lange Brennweiten auch immer hohes Transportgewicht bedeuten. Ferner brauche ich für ein schweres Objektiv auch ein stabiles und damit schweres Stativ. Die optimale Ausrüstung ist in erster Linie eine für mich bezahlbare. Gewicht und Linsenqualität, sowie Auflösung der Kamera und das notwendige Zubehör müssen in einem vernünftigen Verhältnis zu meinen finanziellen Möglichkeiten stehen. Erst danach entscheidet sich, was ich damit fotografieren könnte. Die Anzahl der Motive, die 'nicht gehen', werden mit steigendem Ausrüstungspreis weniger, aber Niemand kann alles fotografieren. Wenn sie mit ihren ersten Fotos Geld verdient haben, können sie 'aufrüsten'. Dann können sie zusätzliche Bildideen realisieren. Dadurch steigt der Bekanntheitsgrad, und die Preise für die Bilder. Das zusätzliche Geld wird wieder in Ausrüstung investiert usw. Aber leider wird das immer nur ein Nullsummenspiel werden! Kein Fotogtaf ist reich im Sinne von wohlhabend. Denn wenn die Ausrüstung komplett ist, werden die Fotoziele immer exotischer, damit die Bilder immer exotischer werden, und der Preis weiter steigt...

Als nächstes meint man, 'das hätte ich auch gekonnt', wenn man andere Bilder betrachtet. Die Bilder, die Profis zeigen, sprechen den Betrachter an. Sie zeigen Tiere, Landschaften, Insekten, die wir als schön empfinden. Wir erkennen das Motiv wieder, weil wir es selbst schon oft gesehen haben. Dennoch haben wir es nicht fotografiert. Die Bildgestaltung hätten wir vielleicht ebenso hinbekommen. Die Lichtstimmung vielleicht auch. Das Motiv hätten wir auch noch entdeckt. Die technische Umsetzung über die richtige Belichtung und die Nutzung der Kamera-Möglichkeiten (Spiegelvorauslösung, Stativ, Abblendtaste für Schärfentiefe etc.) kennen wir. Aber bekommen wir alles gleichzeitig hin? Eine der grössten Hürden und damit die wichtigste Voraussetzung für gute Bilder ist die simple Tatsache, das wir ein Motiv nur fotografieren können, wenn wir das Motiv aufsuchen. Gerade eben, in diesem Moment, passieren genau vor ihrer Haustür dramatische Dinge: Eine Teichralle attakiert eine Krähe, ein Star zieht einen Regenwurm aus der Erde, ein Spatz nimmt ein Staubbad, ein Graureiher fängt einen Fisch, und statt all das im Foto festzuhalten, sitzen wir vor dem Computer und lesen, wie andere schöne Fotos machen. Als nächstes bedauern wir uns, weil wir ja auch so schöne Fotos machen könnten, wenn wir nur die Zeit dazu hätten. Es stimmt! Profis sitzen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang hinter dem Stativ im Tarnzelt und machen traumhaft schöne Bilder von balzenden Kranichen. Uns fehlt: Die passende Ausrüstung, die Zeit, die Örtlichkeit. Aber es fehlen auch: der Käufer, der uns den Aufwand ersetzt und das Foto kauft! Lohnt der Aufwand? Ich meine nein! Um mein schönes Hobby zu betreiben, muss ich keine balzenden Kraniche fotografieren. Bei mir tut es auch die Stockente, der Höckerschwan, die Blaumeise, wenn es um emotional schöne Fotos geht. Die 'Leistung', die aus einem geknipsten Bild ein schönes Foto macht, hängt weniger vom Motiv ab, als vom Engagement, das der Fotograf in seine Arbeit steckt. Profis planen ein Bild 'Fischadler fängt Fisch aus dem Wasser' und fliegen dafür mit ihrer 10.000,-EUR-Ausrüstung für 10 Tage nach Florida. Amateure planen ein Bild 'Ente startet vom See' und gehen an drei Nachmittagen für 2 Stunden zum nächsten Teich und fotografieren. Ich will nicht leugnen, dass Kraniche oder Fischadler eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Das Bild der balzenden Kraniche hätte für mich sicher auch einen sehr hohen Stellenwert, aber in der Zeit, die ich für dieses eine Foto geopfert habe, hätte ich in meiner näheren Umgebung 5 tolle, ebenso wertvolle Fotos machen können.

Die richtige Präsentation unterstützt den beeindruckenden Effekt des Profibildes. Der Amateur druckt sein Bild zu Hause am Tintenstrahldrucker mit NoName-Nachfülltinte auf MacGeiz-Papier in 13x18cm aus und nimmt das Bild zum Zeigen 'aus dem Schuhkarton'. Der Profi lässt das Bild in einem Fotostudion auf 'richtigem' Fotopapier ausbelichten, zieht das Bild auf Fotokarton auf, schneidet ein Passepartout, nimmt einen Echtholzrahmen, der dreimal so gross wie das Bild ist, und hängt es an die Wand. Man sieht dem Foto an, wie wertvoll es dem Fotografen ist. Zeigen sie ihre Bilder in einer Mappe, rahmen sie sie, oder fertigen sie eine Diashow auf DVD mit Überblendeffekten, Musikuntermahlung, Vor- und Nachspann. Zeigen sie, wie wertvoll ihre Bilder sind! Sie meinen, das sei zu viel Aufwand? Das stimmt, aber ihre 'Faulheit' hilft ihnen hier. Nur die (für sie persönlich) wirklich guten Bilder lohnen den Aufwand. Dadurch werden sie sehr viel kritischer gegenüber ihrer eigenen Arbeit. Sie sortieren aus. Sie lernen, die Bilder miteinander zu vergleichen und ihren persönlichen Favoriten herauszusuchen. Dadurch entwickelt sich ihr Stil. Sie fotografieren, lernen sehen, und wählen das Foto aus, das die Situation so wiedergab, wie sie sie gesehen haben.

Profis stehen unter Leistungsdruck. Nach 10 Tagen Florida muss ein Fischadlerbild dabei herauskommen, was die Kosten für Ausrüstung, Flug, Unterkunft und Lebensunterhalt sichert. Nebenher entstehen noch Landschaftsbilder (für Kalender o.ä.), ein paar Stillifes wie Blumen und Makros (für Bildagenturen und Zeitungsarchive). Diese Bilder tragen den Fotografen mit, auch wenn sie nicht sofort Geld bringen. Bilder, über Agenturen verkauft, bringen ein kleines, aber konstantes Einkommen. Ein Bild bringt 2,- pro Jahr. 100 Bilder 200,-, 10000 Bilder 20000,-. Woher nimmt man 10000 gute Bilder? Rausgehen und fotografieren!! Es ist ein echtes Dilemma, in dem der Profi da steckt! Technisch ist der Abstand zum Amateur enger geworden. Gute Digitalkameras kosten heute ein Bruchteil der Spiegelreflexkameras von vor 20 Jahren plus die Filme und deren Entwicklung. 10000 Bilder mit einer guten Digitalkamera kosten heute 1000,- (für die Kamera), 300 Filme á 36 Bilder kosten etwa 1800,- incl. Entwicklung plus 300,- für die Kamera. Pro Sekunde werden Millionen von Bildpunkten belichtet. Die Wahrscheinlichkeit, ein gutes 'Profibild' zu machen, wird immer grösser. Die Agenturen werden zugeschüttet mit guten Bildern. Damit wird es für den Profi immer enger. Seine Motive müssen immer ausgefallener werden. Die Reisen immer weiter. Der Zeitaufwand immer grösser...

Aber auch wir können es den Profis gleichtun! Suchen sie sich ein besonderes Thema, tragen sie dazu etwa 20-30 gute Bilder zusammen. Die Bilder sollten eine Geschichte erzählen. Denken sie sich zu jedem Bild einen kurzen Text aus. Wenn sie alles vorbereitet haben, gehen sie in ein gut sortiertes Fotofachgeschäft, kaufen sie ein Leinengebundenes Album zum selbst ausdrucken. Gestalten sie das Album, die Seiten mit den Bildern und dem Text. Drucken sie das Album aus, binden sie es mittels Schraubbindung, und sie haben einen eigenen Bildband, den sie garantiert immer wieder in die Hand nehmen. Sie schöpfen daraus Ideen und Inspiration für ihre weiter Arbeit, haben ein repräsentatives Vorzeigeobjekt und können immer wieder Stolz auf sich sein. Wir leben in einer herrlichen Zeit!!