Manfrotto Lastolite

 

Erlebnisse im NP Bayerischer Wald

Fotos unter kontrollierten Bedingungen

Mit dem Nationalpark Bayerischer Wald verbinde ich eine mein ganzes Leben gepflegte, innige Beziehung. Begonnen hat diese Leidenschaft vor fast 30 Jahren, als ich zum ersten Mal als Kind hier meine Urlaub verbrachte. Damals noch in dem Familien-Feriendorf Grafenau, eine Einrichtung für Familien des Landes Berlin in der damals noch geteilten Stadt, heute eine durch sanften Tourismus erschlossenes Urlaubsparadies (für ambitionierte Fotografen). Schon damals beeindruckte mich das Tierfreigelände, in dem einheimische Tiere wie Luchs, Braunbär, Uhu oder Biber in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden konnten. Eine ganz neue Sicht des Tierfreigeländes bekam ich durch Fritz Pölking und seine Bücher, in dem er vom NP Bayerischen Wald schwärmt als das Fotogebiet Deutschlands schlechthin. Als ich dann im späten 20. Jahrhundert meine Fotoleidenschaft auf die Naturfotografie kanalisierte wuchs in mir natürlich der Wunsch, nochmals den NP zu besuchen und zu erleben, was die Region mir als Hobbyknipser zu bieten hat. Das war im Jahr 2000, als ich mit meiner jungen Familie aufbrach, in die Fußstapfen von Herrn Pölking zu treten (oder zumindest zu sehen, wo sie denn wären)

Soviel zur Vorgeschichte. Jetzt, im Sommer 2006, bin ich wieder hier um meinen Fortschritt auf dem Weg zum Naturfotografen mit den Ergebnissen aus 2000 zu vergleichen. Damals war ich noch durch die Fotografie mit Diafilm gehandicapt. Heute, im Zeitalter der Byte und Pixel, bin ich digital unterwegs. Der erste Ausflug war wenig spektakulär. Außer ein paar schlechten Uhubildern kam 'fotografisch' nicht viel herum. Da ich mir als Thema 'Eulen und Greifvögel' vorgenommen hatte und ganz bewusst keine Luchse und Bären fotografieren wollte, wurde mir nach den ersten Besuchen bereits klar, das dies ein schwieriges Unterfangen werden würde. Die Vogelvolieren waren aus Maschendraht gebaut, der bei diesem Jahrhundertsommer mit seinem ständigem, ununterbrochenen Sonnenschein hässliche Schatten auf die Vögel warf. Ferner waren nach nunmehr 25 Jahren die Inneneinrichtungen der Volieren etwas 'eingewohnt'. Die 'natürliche Umgebung' war in zwischen in eine Mondlandschaft mit toten, entrindeten Bäumen mutiert, die mit Kot beschmutzt, alles andere als fotogen wirkten.

Was blieb mir, als zu den 'big three' zurückzugreifen (Luchs, Bär, Wolf)? Also auf die Lauer gelegt, und mit mittelmäßiger Ausrüstung Bilder machen, von denen es schon Tausende gab? Mehrfach stieß ich während meiner Exkursionen im Tierfreigehege auf ''Kollegen'. Ich erinnere mich amüsiert an einen Morgen, es muss so gegen 7:00 Uhr gewesen sein, da hörte ich aus der Stille des Waldes ein Geräusch, das ich zuerst nicht einordnen konnte. Als das Geräusch dann näher kam, identifizierte ich es als 'Kunststoffräder, die durch Kies fahren'. Um die Ecke bogen zwei offensichtliche Naturfotografen mit zwei Handwagen der Kategorie 'Überseekoffer'. Jeder der Beiden hatte eine Ausrüstung bei sich, die den Gegenwert eines Mittelklassewagens bot. Alles, was es für Geld zu kaufen gab, war in diesen Handwagen verstaut. Schleunigst machte ich mich mit meiner 'Knipserausrüstung' aus dem Staube in der festen Gewissheit, das mir für gute Bilder 3 Blenden Lichtstärke und 30cm Brennweite fehlen. So ist das! Die Kollegen hätten wahrscheinlich die Hälfte ihrer Ausrüstung für mein Uhubild gegeben, wenn sie das Bild hätten machen dürfen, das ich 20 Minuten vorher gemacht habe. Die Ausrüstung macht nur zu einem kleinen Teil den Erfolg! Zu guten Bildern gehört Glück, Glück und etwas Glück. Selbst die teuerste Ausrüstung hilft mir nicht, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, sie einzusetzen. Unbestritten ist mir der Kollege mit einem Vollformatsensor und einem 4/600mm Abends am Wolfsgehege überlegen. Ich fotografiere mit 420mm (300mm + 1.4fach-Konverter bei APS-Sensor) und Blende 5.6, und der Kollege mit 600mm und Blende 4. Bei mir reichts noch für eine 1/60 (mit 'Anti-Shake'), er bekommt mit einer 1/125 bewegungsschärfere Bilder, hat zusätzlich einen engeren Bildausschnitt und hat 10.000,- mehr dafür bezahlt. Beide sind wir meilenweit von einer Bridgekamera mit 36-200mm entfernt, aber in der Oberklasse muss man schon tief in die Tasche greifen, um noch Unterschiede sichtbar zu machen. Schon eine einzige Stunde mehr am Objekt, ein Tag öfter 'draussen', eine Stunde früher aufgestanden kann diesen Vorteil zu nichte machen. Jede Stunde, die sie länger am Objekt sind, spart ihnen hunderte von Euros!

Fotografisch war der Urlaub wenig ergiebig, aber meine Meinung habe ich bestätigt gefunden: Der alte Irrglaube 'gute Bilder macht man mit einer guten Ausrüstung, Spitzenbilder mit einer Spitzenausrüstung' ist Quatsch! Sicherlich kann ich von 10-fach-Zooms eines Zubehörlieferanten nicht die gleiche Bildqualität erwarten, wie von einer Festbrennweite eines Markenherstellers, aber es nutzt mir nichts, wenn ich ein 'Traumobjektiv' mit untertellergroßer Eintrittslinse durch die Botanik schleppe und der rechte Augenblick fehlt.

Außer diesem Resumé sind aber trotz der wiedrigen Witterung ein paar Bilder übrig geblieben, die zum Löschen zu schade, zum Betrachten aber nur bedingt geeignet sind...

Und hier sehen sie ein Panoramabild der 'ökologische Katastrophe', die der Borkenkäfer am Rachelsee verursacht hat (300kB, 1,5 Minuten bei 56kB!). Deutlich zu sehen an der Seewand im rechten Teil des Bildes ist das großflächige Absterben des Fichtenwaldes bis an das Ufer des Rachelsees. Noch vor sechs Jahren sah der Wald hier intakt aus wie im linken Teil des Bildes.