Muss ich meinen Monitor und meinen Drucker kalibrieren?
Überall ist zu lesen, dass vernünftige Bildbearbeitung am PC nur mit einem kalibrierten Monitor durchgeführt werden kann. Dafür werden teure Geräte angeboten, die eine ständige Kalibrierung sicherstellen sollen.
Die Farbdarstellung an einem Bildschirm (LCD/TFT oder 'Röhre') wird von der Grafikkarte des PC aus den Farben Rot, Grün und Blau gebildet. Das Mischungsverhältnis bildet die Zwischenfarben. Für jedes Pixel muss der PC nun wissen, welche Zwischenfarbe er darstellen soll. Bei einer Kalibrierung gebe ich dem PC auf Grund der gemessenen Farbe eines Testmusters, welches mittels Sensor am Monitor abgelesen wird, die Informationen, die das Mischungsverhältnis verändern sollen. Ist beispielsweise das Weiß zu rötlich, dann gebe ich dem PC 'weniger Rot' vor. Alle anderen Mischfarben erhalten daraufhin ebenfalls weniger Rotanteil. Bekommt der PC nun von einer Bilddatei die Information 'hier ist Weiß', dann ändert er die voreingestellte Farbe auf 'weniger Rot'. Soweit die Theorie...
Sehen wir uns nun die Praxis an. Ich möchte eine Zitrone fotografieren, und mir davon (zunächst einmal) einen Ausdruck gerahmt an die Wand hängen. Als erstes fotografiere ich die Zitrone. Meine Kamera speichert die Informationen vom Chip auf die Speicherkarte. Dabei entscheidet die Kamera (Automatischer Weissabgleich), abhängig vom Umgebungslicht, was sie als Gelb empfindet. Ich lade die Datei auf den PC. Mein Bildbearbeitungsprogramm liest die Informationen über den Weissabgleich aus der Datei und bildet das ab, was es als Gelb wiedergeben würde. Die Grafikkarte bekommt die Info 'gelb' und bildet das ab, was sie für Gelb hält. Ich sehe das Bild und es erscheint mir farbstichig. Vertraue ich meinem Monitor und zweifle den Weissabgleich meiner Kamera an, dann korregiere ich den Weisspunkt (Beispielsweise 'weniger Blau'). Jetzt sende ich die Datei an den Drucker, der wiederum das zu Papier bringt, was er für Gelb hält. Die Tinte tropft auf das Blatt, und bildet dort Farbwölkchen im Papier, das die Tintenhersteller und Papierhersteller für Gelb halten (Komplizierter wird die Sache, wenn der Tintenhersteller (NoName) nicht mit dem Papierhersteller (Zweitanbieter) zusammen arbeitet).
Die Kamera arbeitet (hoffentlich) im Farbraum Adobe-RGB. Der Monitor kann aber nur sRGB darstellen. Der Drucker wiederum kennt nur CMYK. Die Farbräume sind alle unterschiedlich groß und unterschiedlich beschaffen. Aufgabe des PC ist es nun, bei der Konvertierung von RGB nach sRGB und dann nach CMYK darauf zu achten, das die Farben möglichst erhalten bleiben.
Wenn ich also genau die gleiche Farbe auf dem Ausdruck sehen möchte, wie ich sie in der Natur gesehen habe, muss ich
- bei der Aufnahme einen manuellen Weissabgleich durchführen (bzw. ich stelle eine weiße Fläche mit ins Bild)
- dem Bildbearbeitungsprogramm sagen, welcher Farbraum verwendet wurde
- den Monitor (die Grafikkarte) auf ein neutrales Weiß abgleichen
- evl. den Weisspunkt des Bildes am Bildschirm bestimmen und damit die Farbtemperatur der Aufnahme anpassen
- den Druckertreiber an das Bildbearbeitungsprogramm anpassen und dem Drucker die Umrechnung von RGB in CMYK vorgeben.
Sie sehen, mit einer alleinigen Kalibrierung des Monitors ist es nicht getan. Was also machen? Ich habe für mich folgenden Weg gefunden:
- Ich fotografiere im RAW-Format ohne Weissabgleich während des Fotografierens
- Ich profiliere meinen Monitor mit ColorVisions SPYDER3Elite. Obwohl ich bisher anderer Meinung war, mußte ich einsehen, das eine halbwegs vernünftige Bildbearbeitung nur mit einem profilierten Monitor möglich ist. Dies liegt zum Teil an meinem Irrgleube, es werde nur die Helligkeit/Kontrast und die Farbtemperatur eingestellt. In Wirklichkeit wird das gesamte Verhältnis der Farben zueinander eingestellt. Es ergibt sich ein völlig neues Seherlebnis...
- Ich öffne das Bild im Bildbearbeitungsprogramm als RAW und 'entwickle' das Negativ in den AdobeRGB-Farbraum
- Ich stelle die üblichen Einstellungen ein (Farbtemperatur, Kontrast, Gradation, etc.) und achte auf die Farbumfangswarnung. (Sie zeigt mir an, wenn ich es mit der Sättigung übertrieben habe und die Farben in diesem Farbraum RGB nicht mehr darstellbar sind. Am Monitor sehe ich wie gesagt eh nur sRGB, der sehr viel kleiner ist!)
- Ich lasse einmalig die von mir bevorzugte Papiersorte auf meine verwendete (Original-)Tinte einmessen. Dafür bekommen ich ein sogenanntes ICC-Profil zugesand, das ich fortan immer in meinen Druckworkflow einbinde. Das Profil gleicht die Farbtondifferenzen vom Druckertreiber zur Papier-Tinten-Kombination aus. Profile gibt es bei Monochrom, bei Artificial Image oder bei Fotodesign-Winkler
- Ich drucke das Bild und stelle im Druckertreibermenü das ICC-Profil für mein Papier ein.
- Ich sehe mir das Ergebnis an, und beurteile, ob Drucker-Papier-Tinte den Farbton zu Papier bringen, den ich mir vorgestellt habe. Verwende ich zum Drucker Originaltinte und das Originalpapier, dann sollte das Ergebnis 100% zufriedenstellend sein.
Für alle anderen (Bilderdienste, andere Drucker, andere PCs etc.) bleibt das Bild im Originalfarbraum RGB.
Fazit: Ich brauche zwingend einen Monitor, der den verwendeten Farbraum farbrichtig darstellt, und ein Drucker-Profil, welches die Konvertierung vom RGB- in den CMYK-Farbraum unter Berücksichtigung der verwendeten Papier- und Tintensorte vornimmt.
