Wochenend-Workshop im NP Harz

Erfahrungsbericht Manfrotto Getriebeneiger 410


Stative und Zubehör


Getriebeneiger 410

Der Getriebeneiger 410

An diesem Wochenende hatte ich das erste mal Gelegenheit, Manfrottos Getriebeneiger 410 in der Praxis zu testen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Handhabung, an die ich mich jedoch schnell gewöhnte, war das Arbeiten mit dem 410 ein völlig anderes als mit einem normalen Dreiwegeneiger. Als erstes fiel mir sofort die aussergewöhnlich exakte Wahl des Bildausschnitts auf, die den 410 zur ersten Wahl für Landschafts- und Makrofotografie macht. Die anfänglich als negativ empfundene Langsamkeit des Getriebeantriebs (entweder völlige Freigabe der Verriegelung oder langsamer Schneckenantrieb) erwies sich in der Bildgestaltung als wahrer Segen. Bedingt durch die Übersetzung zwingt der 410 den Fotografen zur Langsamkeit. Bildausschnitte werden mit dem 410 nicht mehr spontan festgelegt, sondern sehr gewissenhaft gestaltet. Kleinste Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten an den Bildrändern werden durch exaktes Nachjustieren vermieden. Fasziniert beobachtete ich im Sucher, wie der Bildausschnitt Zentimeter um Zentimeter wanderte, bis die Bildbegrenzung exakt dort lag, wo sie hingehörte. Losgelöst von der blossen Betrachtung und Gestaltung des Motivs findet der Randbereich des Bildausschnitts bei Einsatz des 410 die ihm gebührende Beachtung.

Im Kerngebiet über der Waldgrenze (© Holger Schütze)

Bedingt durch sein relativ hohes Eigengewicht trübt der 410 beim Transport ein wenig den positiven Eindruck, den das Arbeiten mit ihm hinterläßt. Das Stativ (mindestens ein 055 sollte es schon sein!) wird beim Tragen sehr kopflastig, sodaß das Stativ nun knapp unterhalb der Stativbasis getragen werden muss, statt mittig an der Moosgummiarmierung. Ich habe den 410 auf einem 055 Alustativ ausprobiert. Die Gewichtsverteilung auf einem sehr viel leichteren Carbonstativ wird demnach noch ungünstiger sein.

Einen guten und stabilen Eindruck hat die Schnellwechselplatte 410PL hinterlassen. Bedingt durch ihre Größe bietet sie eine sehr große Kontaktfläche zur Kamera, was sich durch einem sehr stabilen Sitz auf dem Stativkopf bemerkbar macht. Hierzu trägt mit Sicherheit auch der feste Sitz in der Spannvorrichtung des 410 bei. Dies funktioniert bei Montage eines Kameragehäuses sehr gut, ein langes Teleobjektiv mit eigener Stativschelle lässt sich so jedoch nur mit Einschränkungen verwenden. Zum einen ist die Schnellwechselplatte 410PL etwa viermal so groß wie gängige Stativschellenplatten und steht während des Objektivtransports entsprechend weit über. Zum anderen bedingt der Sitz der Verschraubung in der Wechselplatte, das sich das Objektiv zwar auf dem Stativkopf befestigen lässt, ein Ansetzen des Kameragehäuses mit angebautem Batteriegriff dann aber nicht mehr möglich ist. Hier bietet sich nur die Möglichkeit entweder den Batteriegriff vom Kameragehäuse zu schrauben, oder den Getriebeneiger "rückwärts" zu betreiben, indem man das Objektiv einfach umgedreht (auf den Fotografen gerichtet) montiert. Das erfordert ein Umdenken, da nun alle drei Verstellgriffe an ungewohnter Stelle sitzen und die Verschraubung für die Horizontale sogar nun von vorn bedient werden muss. Würde Manfrotto auf die Wasserwaage verzichten (die vermutlich nur 1 Promille der Fotografen nutzen) und statt dessen die Plattenaufnahme um 3 cm nach hinten versetzen, wäre das Problem gelöst. Solange müssen wir uns behelfen, oder gleich einen Zweifach-Konverter verwenden ...

Fazit: Bedingt durch die Konstruktion und die Geschwindigkeit in der Einstellung scheidet der 410 für Tierfotografie mit langen Brennweiten aus. Das ist aber auch gar nicht sein Einsatzgebiet. Der 410 fühlt sich in der Landschafts- und Makrofotografie zu Hause. Überall dort, wo es nicht auf Geschwindigkeit, dafür aber umso mehr auf exaktes Arbeiten ankommt ist der Getriebeneiger die erste Wahl. Durch konzentriertes und gewissenhaftes Arbeiten erlebt der Fotograf bereits während des Fotografierens eine deutliche Verbesserung der Bildqualität durch das gezwungen langsame Arbeiten. Durch das ständige Überprüfen des Bildausschnitts geschieht die Bildkomposition sehr viel bewusster, was beinahe zwingend in besseren Bildern mündet.